Offroadboom: Klima wichtiger als Geschäftsinteressen - 24. November .2003

Bern. Mit dem Transparent «Offroadboom macht Klima kaputt» fuhr Greenpeace heute morgen bei «auto-schweiz» vor. Offroader stossen ein Drittel mehr CO2 aus und tragen damit unnötig zur Klimaerwärmung bei. Ein Eisblock mit der Prägung «Verantwortung» soll den Verband der Autoimporteure daran erinnern, dass das Klima wichtiger ist als Geschäftsinteressen. auto-schweiz wurde aufgefordert, endlich Ideen vorzustellen, wie dem Offroadboom beizukommen ist. Greenpeace hilft auf die Sprünge: Offroader sollen künftig höchstens 80 km/h fahren dürfen. Genug für den Einsatz als Nutzfahrzeug, zuwenig für Lifestyle-Bedürfnisse.

Sollte sich der Trend zu Lifestyle-Karossen ungebremst fortsetzen, ist in zwölf Jahren jeder vierte Neuwagen geländegängig - mit Folgen für das Klima. Die Offroader stossen 35 Prozent mehr klimaschädliches CO2 aus als ein Schweizer Durchschnittsauto. Und CO2 heizt als das wichtigste Treibhausgas direkt die Klimaerwärmung an.

Bereits heute steht die Schweiz, was die Neuwagenflotte betrifft, im klimapolitischen Vergleich mit der EU weitaus schlechter da. Zudem stösst der hiesige Strassenverkehr zuviel CO2 aus. Dieser muss bis 2010 um beinahe 15% sinken, damit die klimapolitischen Ziele erreicht werden. Ein ungebremster Offroadboom in der Schweiz verschlechtert die Klimabilanz zusätzlich. Greenpeace legte diese Fakten im Oktober an einer Medienkonferenz vor und forderte die Autoimporteure als Hauptakteure auf, Massnahmen vorzuschlagen, wie der Offroader-Anteil an der Neuwagenflotte auf bedarfsgerechte 3% reduziert werden kann. auto-schweiz erklärte darauf hin, dass man weder ein Problem sehe noch Verantwortung zu übernehmen bereit sei. Man wolle «Geschäfte machen und keine Nettigkeiten verbreiten» meinte dazu Verbandspräsident Tony Wohlgensinger in der Automobil Revue vom 6. November.

Unser Klima ist zu wichtig, als dass man es einzelnen Brancheninteressen überlassen könnte. Cyrill Studer, Klimaexperte bei Greenpeace: «Die Haltung der Autoimporteure ist inakzeptabel und verantwortungslos gegenüber der schweizerischen Bevölkerung, die vom Klimawandel besonders hart betroffen ist: Die Erwärmung in der Schweiz ist doppelt so hoch wie die globale.» Die Folgen sind schmelzende Gletscher, Hitzeperioden, auftauender Permafrost, Bergstürze und Überschwemmungen.

Stellvertretend für die schmelzenden Gletscher überreichte Greenpeace deshalb heute der auto-schweiz einen Eisblock. Eingegossen ist das Wort «Verantwortung». Und da die Branche behauptet, der Offroadboom sei nicht einzudämmen, half Greenpeace den Autoimporteuren auf die Sprünge: Offroadfahrzeuge könnten in Zukunft eine eigene Fahrzeugklasse mit einer Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h bilden. Damit dürfte der Anteil an Lifestyle-Offroadern sehr schnell sinken – und die tatsächlich benötigten Offroader könnten problemlos weiterfahren. Studer: «Die sterbenden Gletscher sollten uns Warnung genug sein. Klimaschutz darf nicht Lifestylezwecken geopfert werden.»

Weitere Informationen unter www.greenpeace.ch oder bei:
Cyrill Studer, Klima- und Verkehrskampagne 01 447 41 13
Greenpeace-Medienabteilung 01/447 41 11

 

Stellungnahme von Cyrill Studer, Leiter der Verkehrskampagne bei Greenpeace Schweiz, anlässlich der Greenpeace-Aktion bei auto-schweiz, Bern 24. Oktober 2003

Offroaderboom: Autoimporteure müssen Verantwortung übernehmen

Man ist versucht zu glauben, dass die Vereinigung der Autoimporteure «auto-schweiz» die Gefahren der Klimaerwärmung erkannt hat. Immerhin hat sie mit dem Bundesamt für Energie eine Vereinbarung ausgehandelt, den Treibstoffverbrauch der Neuwagenflotte zu senken. Diese hinkt den Zielen der EU jedoch weit hinterher: Die EU hat heute schon erreicht, was die Schweiz für das Jahr 2008 anstrebt.

Seit Beginn der ersten Vereinbarung im Jahre 1996 wurde jedes Jahresziel verpasst. Kein Wunder, seit dem gleichen Zeitpunkt hat der Anteil der Offroadfahrzeuge um mehr als 150% zugenommen und betrug im letzten Jahr 8% der Neuwagenverkäufe. Falls das Wachstum so weitergeht, ist in zwölf Jahren jeder vierte Neuwagen ein Offroader - dies entspicht amerikanischen Verhältnissen. Es ist deshalb mehr als fraglich, ob die auto-schweiz ihre Selbstverpflichtung erfüllen kann.

Im letzten Jahr machte die auto-schweiz auf diese Entwicklung aufmerksam: «Ein Teil dieser (Gewichts-)Zunahme begründet sich auf der Vergrösserung des Marktanteils der Geländewagen...» (1). Und es wird unverblümt festgestellt: «Ohne die Gewichtszunahme wäre der spezifische Treibstoffverbrauch tiefer gewesen und die Abnahme wäre höher ausgefallen»

Heute spielt auto-schweiz das Problem runter und will von Konsequenzen nichts wissen. Ihr Präsident Tony Wohlgensinger sagt in der Automobilrevue vom 6. 11., dass der Offroader-Boom kein Problem sei, da potentielle Offroader-Käufer ansonsten ein ähnlich CO2-intensives Fahrzeug kaufen würden. Als Vergleich nennt er zwei Fahrzeuge, bei dem der Offroader-Ersatz 50 g weniger CO2 pro Kilometer ausstösst. Will auto-schweiz damit sagen, dass es auf 50 g mehr oder weniger CO2 pro Kilometer nicht ankommt? Diese Haltung steht im krassen Widerspruch zu den Empfehlungen der Klimawissenschaft. Sie verlangt, dass der Ausstoss an Treibhausgasen weltweit auf das Niveau von 1950 zurückgefahren werden muss, ansonsten die Klimaerwärmung für den Menschen nicht mehr bewältigbar ist. Aber schliesslich wollen die Autoimporteure «Geschäfte machen und keine Nettigkeiten», wie sich Herr Wohlgensinger in der Automobilrevue auszudrücken pflegte.

Die Haltung der Autoimporteure ist inakzeptabel und verantwortungslos gegenüber der schweizerischen Bevölkerung, die vom Klimawandel besonders schwer betroffen ist: Während im letzten Jahrhundert global eine Erwärmung von 0,6 ?C zu verzeichnen war, wurde in der Alpenregion eine Erwärmung von 1,3 ?C gemessen. Tendenz steigend. Die Folgen: Schmelzende Gletscher, Hitzeperioden, auftauender Permafrost, Bergstürze und Überschwemmungen.

Greenpeace hat die auto-schweiz am 21.10. aufgefordert, das Offroader-Problem ernst zu nehmen und im Sinne einer freiwilligen Massnahme Vorschläge zu machen, wie der Neuwagenanteil auf höchstens 3% eingependelt werden kann. Vorschläge sind keine gekommen, stattdessen wurde Greenpeace als realitätsfremd bezeichnet. Nicht bloss realitätsfremd, sondern unverantwortlich ist es von auto-schweiz, die Hände in Unschuld zu waschen und so zu tun, als ob der Offroader-Boom nicht gegen die Schweizer Klimaschutzziele arbeiten würde.

Greenpeace hilft den Autoimporteuren gerne auf die Sprünge und präsentiert hiermit einen Vorschlag, wie das Ziel elegant erreicht werden kann.

Offroadfahrzeuge sollen künftig als eigene Fahrzeuggruppe immatrikuliert werden. Der Nutzfahrzeug-Gedanke steht im Zentrum und deswegen muss eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h genügen. Auf Forstwegen oder zum Pferdetransport ist eine höhere Geschwindigkeit nicht nötig. Leute, die sich einen Offroader besorgen, um ihn aus Luxus- oder Prestigezwecken spazieren zu fahren, dürften sich jedoch in Zukunft zweimal überlegen, ob sie dies mit höchstens 80 km/h tun wollen.

Der Ball liegt nun bei auto-schweiz und den Autoimporteuren. Übernehmen Sie Verantwortung, tragen Sie sorge zum Schweizer Klimaschutz. Der Eisblock, den ich Ihnen überreiche, symbolisiert die Alpengletscher, die von der Klimaerwärmung bedroht sind. Sorgen sie dafür, damit diese auch in hundert Jahren noch zu bestaunen sind. Klimaschutz darf nicht Lifestylezwecken geopfert werden!

(1) auto-schweiz, Jahresbericht «Bestandesanalyse Motorfahrzeuge 2002»

 

Offroader-Boom torpediert Schweizer Klimaschutz - 21.Oktober 2003

Zürich. Die Schweiz hat im europäischen Vergleich eine besonders klimaschädliche Fahrzeugflotte. Der Offroader-Boom verschlimmert die Situation. Dieses Fahrzeugsegment hatte in den letzten sechs Jahren ein Wachstum von 150% bei den Neuwagen zu verzeichnen. Dies sind die Ergebnisse zweier Studien, die heute vorgestellt wurden. Greenpeace fordert die Automobilimporteure auf, den Offroader-Anteil auf ein bedarfsgerechtes Niveau zu senken. Falls einer solchen freiwilligen Massnahme nicht entsprochen wird, soll der Bundesrat zugunsten des Klimaschutzes Importbeschränkungen anordnen.

Der Schweizer Strassenverkehr ist für gut einen Drittel der inländischen CO2-Emissionen verantwortlich und stellt das grösste Hindernis dar, die Klimaschutzziele zu erfüllen. Peter Marti von der Metron Verkehrsplanung AG legte dar, dass die Schweizer Neuwagenflotte verglichen mit der europäischen einen wesentlich höheren CO2-Ausstoss hat. Auch bei Absenkungszielen auf das Jahr 2008 hin ist die EU weitaus ambitiöser: «Das Absenkungsziel der Schweiz endet in einer Grössenordnung, das in der EU bereits heute erreicht ist.»

Cyrill Studer, Leiter der Klima- und Verkehrskampagne, legte anhand von Buwal-Zahlen dar, dass in den letzten Jahren ein Boom an Offroadfahrzeugen stattgefunden hat: Seit 1996 hat sich deren Anteil bei den Neuwagen von 3% auf 8% erhöht. Dies entspricht einer Zunahme von mehr als 150% in sechs Jahren. Diese stossen im Mittel 35% mehr CO2 als ein durchschnittlicher Neuwagen aus. Neue Modelle, sinkende Preise und ein auf Lifestyle getrimmtes Produkt haben dieses Wachstum ermöglicht. Studer warnte: «Falls die Verantwortlichen nicht Massnahmen einleiten, ist auf den Schweizer Strassen mit amerikanischen Verhältnissen zu rechnen. Das heisst jeder vierte Neuwagen ist ein Offroader: In den nächsten Jahrzehnten würden sich beim Schweizer Individualverkehr keine wesentlichen CO2-Senkungen einstellen.»

Kaspar Schuler, Geschäftsleiter von Greenpeace Schweiz stellte fest: «Es muss verhindert werden, dass die CO2-Senkungserfolge durch die Offroad-Käufe zunichte gemacht werden.» Er forderte den Verband der Automobilimporteure (auto-schweiz) auf, ab Mitte 2004 den SUV-Anteil an der Neuwagenflotte auf 3% zu reduzieren. Dies entspricht dem längerfristigen Sockel an bedarfsgerecht eingesetzten Offroad-Fahrzeugen. Sollte die ‚auto-schweiz’ einer solchen freiwilligen Massnahme gegenüber nicht Hand bieten, ist der Bundesrat aufgefordert, aktiv zu werden, um die entsprechende Massnahme einzuleiten. Zusammenfassend lässt sich sagen: «Das Klima ist zu kostbar, als dass man es Lifestyle-Bedürfnissen opfert.»

Weitere Informationen unter www.greenpeace.ch oder bei:
Cyrill Studer, Klima- und Verkehrskampagne 01 447 41 13
Greenpeace-Medienabteilung 01/447 41 11

 

 

 
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